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SdJ- Niederbayern Oberpfalz Homepage

Die Geschichte der SDJ PDF Drucken E-Mail

  1. Deutsche in Böhmen und Mähren

  2. Der Nationalismus

  3. Die Vertreibung

  4. Die Gründung der SDJ

  5. Die Gründung von Sojka


 1. Die gemeinsame Geschichte von Deutschen und Tschechen in Böhmen und Mähren reicht lange zurück. Schon im 6. Jahrhundert bewohnten sowohl slawische als auch germanische Stämme das Gebiet des heutigen Tschechiens. Im 12. und 13. Jahrhundert bekamen deutsche Handwerker und Bauern den Auftrag, die Randgebiete des böhmischen Königreiches zu kolonialisieren. In Prag lebten Tschechen und Deutsche bereits seit dem 11. Jahrhundert zusammen. Dabei blieb man aber meist unter sich – die Anzahl tschechischer Bewohner Reichenbergs (des heutigen Liberec) zum Beispiel betrug im Jahre 1860 weniger als 1 Prozent. 

 

 

2. Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste die Woge des Nationalismus ganz Europa und damit auch die in Böhmen und Mähren lebenden Deutschen und Tschechen. Dies führte unweigerlich Konflikten, die das Zusammenleben von „Deutschen“ und „Tschechen“ nachhaltig störten. Die relative Nichtbeachtung der „Deutschen“ bei der Gründung der ersten Tschechoslowakischen Republik führte zum Beispiel dazu, dass zunächst „deutsche“ Politiker dem „tschechischen“ Staat aktiv entgegenarbeiteten. Die Sudetendeutsche Partei, die später die Mehrheit der deutschen Wählerstimmen auf sich vereinte, strebte seit 1935 offen die Zerschlagung der tschechoslowakischen Republik an und unterstützte Hitler und seine NSDAP.

3. 1938 akzeptierten die Großmächte aus Angst vor einem Weltkrieg im „Münchner Abkommen“ den „Anschluss“ des hauptsächlich deutsch bewohnten Sudetenlandes an das Dritte Reich. Mit der Begründung, die Unabhängigkeit der Slowakei zu schützen, marschierten deutsche Truppen in das ein, was von Tschechien übrig geblieben war.Nach dem Ende des 2. Weltkriegs setzte dann das ein, was heute unter dem Begriff Vertreibung zusammengefasst wird. Während sich der in den letzten Jahren gewachsene Hass mancherorts spontan entlud, nutzte die neue politische Macht die „einmalige Gelegenheit“, sich des Nationalitätenproblems auf einen Schlag zu entledigen. Die organisierte Vertreibung ließ viele Deutsche und Ungarn ihre Heimat verlieren.

4. Die Interessen der vertriebenen Jugendlichen wahrzunehmen war das Ziel der neu gegründeten Sudetendeutschen Jugend. Sie wirkte in der Anfangszeit vor allem als Migrantenselbstorganisation und erleichterte den Vertriebenen die Integration in die junge Bundesrepublik. Zugleich forderten ihre Vertreter eine Rückkehr in ihre ehemalige Heimat, die ihnen zu diesem Zeitpunkt noch realistisch erschien. Der Prager Vertrag, der 1973 als Teil der „Ostverträge“ zwischen der Bundesrepbulik Deutschland und der Tschechoslowakei geschlossen wurde, regelte die Frage nach Gebietsansprüchen und der Grenzziehung endgültig.

Auch deswegen stellt die heutige SdJ keine Gebiets- oder Entschädigungs-forderungen mehr.

Neben der Vertretung ihrer Mitgliederinteressen stand auch die Pflege der eigenen Kultur im Fokus der SdJ-Arbeit. Brachte dies früher den vertriebenen Jugendlichen noch ein Stück ihrer Heimat wieder, so wurde diese Kulturarbeit bald zu einer kulturpflegenden und kulturerhaltenden Traditionsarbeit.

Dabei war die SdJ auch immer um einen Dialog mit der tschechischen Jugend bemüht. 

 

5. Als im Jahre 1989 der eiserne Vorhang fiel, strebte die SdJ die Begegnung von deutschen und tschechischen Jugendlichen an. Unter großem Aufwand gelang es schließlich, mit einer tschechischen Jugendgruppe das erste gemeinsame Zeltlager zu veranstalten. Somit war „die Brücke gebaut“. In den darauffolgenden Jahren wuchs auf tschechischer Seite eine starke Gemeinschaft, aus der 1996 der tschechische Partnerverband „Sojka“ hervorging. Seitdem wird die Organisation der deutsch-tschechischen Jugendarbeit gemeinsam durchgeführt. Nachdem die SdJ-Niederbayern-Oberpfalz 2009 zusammen mit Sojka 20 Jahre deutsch-tschechische Zeltlager feierten, verabschiedete die SdJ 2010 anlässlisch ihres 60-jährigen Bestehens eine politische Erklärung, die aktuelle Ziele und Positionierungen darlegt. Dabei wird deutlich, dass das Bemühen um die Begegnung und Verständigung zwischen deutschen und tschechischen Jugendlichen in einem freien, vereinten Europa heute die große und mittlerweile auch sehr erfolgreiche Aufgabe der SdJ und insbesondere des Bezirkes Niderbayern-Oberpfalz darstellt.

 

Buchtipps:


Peter Glotz – Die Vertreibung ISBN 978-3-548-36720-0

Petr Lozoviuk / Georg Schroubek – Studien zur böhmischen Volkskunde ISBN 978-3-8309-1879-0

 

 

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